Wie Bleikristallgläser hergestellt werden

Bei der Herstellung von Bleikristallgläsern gibt es sowohl automatisierte als auch manuelle Herstellungsverfahren. Hier gibt es Informationen darüber, wie Bleikristallgläser hergestellt werden.
Dabei wird einmal eine industrielle Fertigung und einmal eine handwerkliche Herstellung vorgestellt.

Industrielle Herstellung von Bleikristallgläsern

Mischung der Rohstoffe

Die Herstellung von Bleikristallgläsern durchläuft einen Prozess, bei dem am Anfang die verschiedenen Rohstoffe in Pulverform genau dosiert zusammengemischt werden. Die genaue Rezeptur hüten die Hersteller wie ein Chefkoch sein Geheimrezept.

Der Schmelzofen

Dieses Gemisch wird in einen Wagen gefüllt, der in einen Fahrstuhl eingehängt wird. Dieser transportiert den Wagen bis zum Schmelzofen und leert ihn automatisch aus.

Im circa 1500 Grad heißen Schmelzofen wird aus dem Pulvergemisch eine zähflüssige Masse, ähnlich wie Kaugummi. Diese heiße Glasmasse wird automatisch in eine Maschine geleitet, die diese im Sekundentakt in kleine Stücke schneidet.

Vorbereitung der Glasmasse

Aus jedem Stück entsteht später ein Glas. Diese Stücke fallen in eine Art Rutschbahn, die jedes Stück zu einer Presse führt, wo es zu einer Scheibe gepresst wird. Diese Scheiben fallen dann in eine große Karussell-ähnliche Maschine. Dieses Karussell hat einen sich im Kreis drehenden Ring, auf dem jede Scheibe ihre eigene Bearbeitungsfläche hat. Die Glasmasse ist hier noch um die 1000 Grad heiß.

Formgebung

Nun wird jeder Scheibe von oben Luft hinzugefügt, wodurch sie sich nach unten ausdehnt und eine Art kleinen Beutel formt. Dann wird dieser Beutel von der gewünschten teilbaren Gussform des Kelches in einem weiteren Karussell umschlossen. Diese Form wurde vorher am Computer entwickelt. In diese Gussform wird weiter Luft eingeblasen, die das Glas an die Wand der Gussform presst. In wenigen Sekunden ist die Form fertig geblasen.

Danach werden der Stiel und der Fuß nach ähnlichen Methoden am Kelch angebracht. Nach dem Öffnen der Gussform wird das noch heiße Glas entnommen, welches durch die Gussform noch unschöne Längsnähte hat. Diese Längsnähte werden durch eine automatische Feuerpolitur entfernt, damit das Glas so aussieht, als sei es handgemacht.

Die Öffnung des Glases

Nun wird die Öffnung des Glases bearbeitet. Produktionsbedingt hat ein Glas in dieser Phase noch ein Stück von der ursprünglichen Scheibe, an der es während der Produktion hing. Dieses Stück wird nun mit einer Maschine per Laser abgeschnitten. Diese Schnittkante wird automatisch geschliffen, damit sie beim Ansetzen des Glases an die Lippen nicht verletzt. Eine Qualitätskontrolle schließt die Herstellung ab.

Von den Stückzahlen her gibt es Industriebetriebe die angeblich 100.000 bis 200.000 Gläser pro Tag herstellen.

Handwerkliche Herstellung von Bleikristallgläsern

Je nachdem, wie sich ein Handwerksbetrieb organisiert, erledigt dieser mehr oder weniger viele Phasen manuell. Die manuelle Herstellung bei der Formgebung ist eine perfekt aufeinander abgestimmte Teamarbeit, wie ein Uhrwerk. Dabei muss jeder Handgriff sitzen, weil das Glas nur eine begrenzte Zeit formbar ist. Bereits minimalste Abweichungen von einem Teammitglied können das Endprodukt ruinieren.

Die Materialgewinnung für Bleikristallgläser ist aufwändiger, was sich in den Kosten widerspiegelt.

Vorbereitung der Glasmasse

Statt einer Maschine, die die Glasmasse in Stücke schneidet, ist es im Handwerk eine Person, die per Hand nur so viel Glasmasse auf einer Stange aus dem Ofen holt, wie für das Glas nötig ist. Der Glasbläsermeister nimmt diese Stange, die ständig von Hand gedreht werden muss, da sonst die glühende Glasmasse heruntertropft. Er gibt der Masse mithilfe eines leicht ausgehöhlten Werkzeugs aus Holz eine erste grobe Form.

Formgebung

Danach wird das Glas vom Glasbläser in eine vorher angefertigte Holzform gehalten, die die Form des gewünschten Kelches des fertigen Glases hat. Unter ständigem Drehen bläst der Meister nun Luft in die Glasmasse, damit das Glas an die Wand der Holzform presst wird.

Es gibt auch Fälle, bei denen die Holzform die gewünschte Form des fertigen Glases nicht enthält. In diesen Fällen bedarf es der langjährigen Erfahrung des Meisters, sozusagen freihändig die Form unter ständigem Drehen der Stange, wohl dosiertem Lufteinblasen und eventueller Erhitzung des Bunsenbrenners die gewünschte Kelchform perfekt herzustellen.

Anbringung des Stiels

Der so hergestellte Kelch befindet sich immer noch an der Stange und wird vom Kollegen unter ständigem Drehen übernommen, der den Kelch zum nächsten Kollegen zum Anbringen des Stiels bringt.

Der Stiel wird ebenfalls per Hand von einem Meister aus einem Stück Glasmasse hergestellt. Dieser bringt dann mit einer Zange den aus der Masse gezogenen Stiel an den Kelch an.

Anbringung des Fußes

Die Stange mit dem Kelch und dem Stiel wird nun von einem Kollegen zum Anbringen des Fußes gebracht. Der Fuß wird ebenso aus einem Stück Glasmasse von Hand hergestellt und von einem weiteren Meister an den Stiel angebracht. Dies ist ein besonders anspruchsvoller Moment in der Herstellung, da der Fuß je nach Design unterschiedlich sein kann, aber wenn er vom selben Design ist, immer gleichmäßig und eben sein muss, damit das Glas hinterher gut steht.

Bis hierhin hat ein Team von mehreren Personen circa 10 Minuten gearbeitet, um ein Glas herzustellen.

Nun ist das Glas komplett und wird zum nächsten Kollegen gebracht, der prüft, ob der Stiel gerade und der Fuß ebenmäßig ist. Dieser trennt das Glas von der Stange.

Ein anderer Kollege trägt das Glas zum erneuten Erhitzen und langsamen Abkühlen in eine Maschine. Diese Phase, die 24 Stunden dauern kann, wirkt sich auf die Resistenz und Reinheit des fertigen Produkts aus.

Die Öffnung des Glases

Nun fehlt noch die Bearbeitung der Öffnung des Glases. Wie bei der industriellen Herstellung hat ein Glas in dieser Phase produktionsbedingt noch ein Stück von der ursprünglichen Scheibe, an der es während der Produktion hing. Statt eines Schnitts mit dem Laser, wird hier die zu schneidende Linie in einem Apparat von einem Diamantstein markiert und dann von Hand mit einer Gasflamme geschnitten. Die Kante wird mit Schmirgelpapier und in einer Verschmelzmaschine geglättet. Eine Qualitätskontrolle schließt die Herstellung ab.

Diese handwerkliche Herstellung von Bleikristallgläsern ist wesentlich aufwändiger, weswegen solche Gläser teurer als industriell hergestellte sind.

Die manuelle Glasfertigung von mundgeblasenem Glas ist seit Dezember 2015 im Register des UNESCO-Weltkulturerbes in Deutschland eingetragen.

Fazit

In der industriellen Herstellung werden Arbeitsschritte maschinell ausgeführt, die bei der handwerklichen Herstellung eine Person tätigt. Dadurch fallen in der industriellen Produktion Personen weg, oder diese kümmern sich mehr um das Überwachen der Maschinen. In der handwerklichen Produktion hingegen geht es überwiegend um ein tägliches direktes Zusammenspiel eines Teams von Personen und die Erhaltung von manuellen Fähigkeiten. Diese manuellen Fähigkeiten und das Wissen darum gehören zum Weltkulturerbe.

Lars Klumb

Lars Klumb

Mein Name ist Lars Klumb. Ich bin Deutscher und lebe seit 15 Jahren in Italien. Ich habe eine Leidenschaft für das Schöne und das Edle, was Italien zu bieten hat. Ich komme ursprünglich aus der Produktentwicklung und aus dem Einzelhandel für Bekleidungs- und Textilfirmen des Mittleren-, des Gehobenen, und des Luxus-Genres. Seit mehr als fünf Jahren beschäftige ich mich mit dem Bereich Handwerk und habe es mir zur Aufgabe gemacht, italienische Handwerker zu unterstützen. Dafür schreibe ich auf dieser Website und betreibe einen virtuellen Werkstattladen, in dem gute Waren italienischer Handwerker und Manufakturen aus den Bereichen Wohn- und Modeaccessoires angeboten werden. Schau doch mal rein!
Lars Klumb