Bleikristallgläser Herkunft

Glas mit Bleigehalt wurde bereits in der Antike gefunden, also lange bevor die industrielle Herstellung von Bleikristallgläsern im 17. Jahrhundert in mehreren Ländern begann.

Ein Überblick über die Herkunft von Bleikristallgläsern gibt eine Orientierungshilfe.

Bleikristallgläser in der Antike

Der angeblich erste Fund von bleihaltigem Glas wird auf 1400 v. Chr. datiert und stammt aus Nippur, einer ehemaligen Stadt im heutigen Irak. Andere Funde stammen aus dem 6. und 7. Jahrhundert v. Chr. Man geht allerdings davon aus, das Bleioxid in dieser Zeit nicht bewusst benutzt wurde, da dessen Anteile sehr gering waren. Bleikristall taucht ebenfalls in China zur Zeit der Han-Dynastie um 206 v. Chr. bis 220 n. Chr. auf.

Bleikristallgläser im Mittelalter

Bleihaltiges Glas taucht im Mittelalter sowohl in Glasmalereien auf, wie man sie von einigen Kirchenfenstern heute noch kennt, als auch in farbigem Glas ebenso wie in Mosaiksteinchen.

Bleikristallgläser im Barock

Im Buch „Glaskunst“, auf italienisch „L’Arte Vetraria“ aus dem Jahr 1612 vom italienischen Glasmacher Antonio Neri, aus der Toskana stammend, wird das Thema Glas scheinbar zum ersten Mal systematisch behandelt. In diesem Buch steht, dass Bleikristall für Emaille, Glaswaren ebenso wie als Edelsteinimitat für Schmuck benutzt wird. Dieses Buch wird 1662 von Christopher Merret ins Englische sowie 1679 von Johannes Kunkel ins Deutsche übersetzt und bearbeitet.

Diese Übersetzung öffnet den Weg zur industriellen Produktion von Bleikristall durch den Engländer George Ravenscroft. Dieser wollte, mit Hilfe von Glasmachern aus Venedig ebenso wie Glasverkäufern aus London, eine Alternative zum „cristallo“ aus Venedig entwickeln. Dies hat er mit dem Entwickeln von Flintglas geschafft und es 1673 patentieren lassen. Flintglas hat einen hohen Bleioxidgehalt von circa 30 %. Mit Ravenscrofts Tod lief das Patent ab und Flintglas breitete sich schnell aus. 1696 arbeiteten in England 27 Glashersteller mit Flintglas.

Bleikristallgläser im 18. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert wird Bleikristall in Frankreich, Ungarn, Deutschland und ebenfalls in Norwegen industriell hergestellt. Einige industrielle Hersteller aus dieser Zeit wie Baccarat und Saint-Louis (gehört zu Hermès) in Frankreich, ebenso wie Royal Brierley in England, Waterford Crystal in Irland und entsprechend Riedel aus Österreich sind heute noch bekannt und stellen noch Bleikristall her.

Bleikristallgläser im 19. und 20. Jahrhundert

Im 19. und 20. Jahrhundert kommen unter anderem in Deutschland Industriebetriebe wie Nachtmann und Zwiesel Kristallglas sowie Holmegaard in Dänemark und einige Betriebe in anderen Ländern dazu.

Fazit

Bleikristallgläser werden seit über 300 Jahren hergestellt und werden heute noch von Firmen im hohen und Luxus-Genre angeboten.

Lars Klumb

Lars Klumb

Mein Name ist Lars Klumb. Ich bin Deutscher und lebe seit 15 Jahren in Italien. Ich habe eine Leidenschaft für das Schöne und das Edle, was Italien zu bieten hat. Ich komme ursprünglich aus der Produktentwicklung und aus dem Einzelhandel für Bekleidungs- und Textilfirmen des Mittleren-, des Gehobenen, und des Luxus-Genres. Seit mehr als fünf Jahren beschäftige ich mich mit dem Bereich Handwerk und habe es mir zur Aufgabe gemacht, italienische Handwerker zu unterstützen. Dafür schreibe ich auf dieser Website und betreibe einen virtuellen Werkstattladen, in dem gute Waren italienischer Handwerker und Manufakturen aus den Bereichen Wohn- und Modeaccessoires angeboten werden. Schau doch mal rein!
Lars Klumb