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Bleikristallglas im Vergleich zu anderen Arten von Glas

Bleikristallgläser sind hochwertig und schaffen durch ihren funkelnden Glanz eine edle Atmosphäre.

Die Klärung einiger Sorten und Eigenschaften von Glas, wie z. B. Normalglas, Kristallglas sowie Bleikristallglas, gibt eine erste Hilfestellung bei der Auswahl und Beurteilung von Produkten.

Sorten von Glas

Es gibt viele verschiedene Sorten von Glas. Zu den bekanntesten Glassorten für Gebrauchsgegenstände gehören diese:

Bleikristallglas

Bleikristall ist hochwertig und wegen seines Glanzes, seiner höheren Transparenz genauso wie seines volleren Klanges etwas Besonderes.

Die Brillanz von Bleikristallgläsern kommt durch den hohen Brechungsindex, mit dem Licht durch das Glas geführt wird. Diese Brillanz entsteht übringens durch Zugabe von Blei in die Glasmasse. Mit steigendem Brechungsindex steigt auch die Streuung des Lichts. Dies machen sich Glasschleifer zunutze, um besondere Glanzeffekte zu erzielen, die infolge von jedem einzelnen Schliff entstehen. Bleikristallglas hat eine höhere Dichte als Normalglas.

Im Vergleich zu Normalglas erzeugt Bleikristallglas beim Anstoßen einen klangvolleren Ton, der auf der Zusammensetzung des Glases beruht.

Der Duft eines Weines lässt sich in Bleikristallgläsern intensiver wahrnehmen als in Kristallgläsern. Dies liegt daran, dass Bleikristall den Wein stärker an der Glaswand halten kann als Kristallglas und dadurch intensiver verdunstet. Wenn man den Wein etwas im Glas schwenkt, kann man dadurch den Duft besser wahrnehmen und mehr genießen.

Als Bleikristallglas darf laut Kristallkennzeichnungsgesetz nur Glas bezeichnet werden, das mindestens 24 % Bleioxid (PbO) enthält, sowie eine Dichte von mindestens 2,90 hat und dessen auf den Natrium-D-Strahl bezogene Brechungszahl mindestens 1,545 beträgt.

Es gibt Bleikristallglas mit höherem Bleigehalt, der folglich zu mehr Glanz, aber auch zu einer leichten Gelbfärbung des Glases führen kann.

Im Italienischen werden Bleikristallgläser als „cristalli al piombo“ bezeichnet. Als „cristallo“ werden umgangssprachlich allgemein Gläser bezeichnet, die glänzend, farblos sowie transparent sind.

Bleikristallgläser sind bereits vom Material her aufwändiger und findet man deswegen heutzutage etwas seltener.

Normalglas

Die Glassorte Normalglas, oder auch Kalk-Natron-Glas genannt, ist die gängigste Glassorte für Trinkgläser, Flaschen und viele andere Produkte. Normalglas wird für circa 90 % der weltweiten Glasproduktion verwendet. Es ist relativ günstig, relativ stabil und ideal fürs Recyceln, weil es wieder schmelzbar ist.

Es ist durch einen niedrigeren Lichtbrechungsindex weniger glänzend und hat eine niedrigere Dichte als Bleikristallglas. Hergestellt wird es aus Quarzsand, Soda und Kalk.

Kristallglas

Die Glassorte Kristallglas ist ein hochwertiges Glas, welches im Vergleich zu Normalglas einen höheren und im Vergleich zu Bleikristallglas einen niedrigeren Brechungsindex und eine niedrigere Reflexion hat.

Kristallglas darf laut Kristallkennzeichnungsgesetz nur als solches bezeichnet werden, wenn es mindestens 10 % von entweder Bleioxid, Bariumoxid, Kaliumoxid oder Zinkoxid alleine oder zusammen enthält, eine Dichte von mindestens 2,45 hat und dessen auf den Natrium-D-Strahl bezogene Brechungszahl mindestens 1,52 beträgt oder eine Dichte von mindestens 2,40 und eine Oberflächenhärte nach Vickers von 550 +/- 20 hat.

Im Italienischen wird Kristallglas als „vetro sonoro superiore“ oder als „vetro sonoro“ bezeichnet.

Pressglas

Pressglas bezieht sich nur auf die industrielle Massenherstellung von Glas und nicht auf die Glassorte selbst.

Flintglas

Flintglas hat einen hohen Bleioxidgehalt und wird für Objektive, Ferngläser und andere optische Instrumente eingesetzt.

Fazit

Bleikristallglas ist wegen seiner Eigenschaften im Vergleich zu anderen Glassorten hochwertiger.

Bleikristallgläser und Gesundheit

Ohne Blei hätten Bleikristallgläser nicht die wunderbaren Eigenschaften, die man daran schätzt. Einige stehen Bleikristallgläsern wegen des Bleigehalts skeptisch gegenüber, während andere es lieben. Dazu werden einige Fakten zu Bleikristallgläsern zum besseren Verständnis betrachtet.

Informationen zu Blei

Blei alleine ist ein Schwermetall, wie Eisen, Kupfer, Zink, Zinn, Nickel sowie einige andere bekannte Stoffe auch, von denen einige bei Überdosierung schädlich sein können. Viele Lebensmittel, die der Mensch tagtäglich zu sich nimmt, enthalten geringe Bestandteile von Blei.

Gesetzliche Anforderungen

Wie viele Haushaltswaren, unterliegen auch Produkte, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, gesetzlichen Anforderungen, um die Gesundheit des Verbrauchers nicht zu gefährden. Diesen Anforderungen müssen Hersteller auch bei der Herstellung von Bleikristallgläsern gerecht werden.

Laut der Bedarfsgegenständeverordnung dürfen einige Stoffe generell nicht und einige Stoffe nur in festgelegten Höchstmengen verwendet werden. In der Verordnung ist auch vorgeschrieben, zu welchen Höchstmengen Stoffe auf Lebensmittel übergehen dürfen. Füllbare Lebensmittelbedarfsgegenstände aus Keramik mit einer Fülltiefe von mehr als 25 mm, was auf die meisten Gläser zutreffen dürfte, dürfen demnach 4,0 Milligramm pro Liter abgeben (Stand 04/2017).

Kontrollen von zuständigen Behörden

Laut Wikipedia untersuchen zuständige Behörden regelmäßig Produkte aus Bleikristall auf die Löslichkeit des Bleis, wobei die meisten Proben keine gesundheitlich relevanten Mengen Blei abgeben.

Tolerierbare Mengen bei der Einnahme von Blei

Eine Studie des Gesundheitskomitees des Europäischen Rates aus dem Jahr 2004 zur Löslichkeit von Blei in Glaswaren gibt Angaben. Demnach sei, bei einer erwachsenen, 60 kg schweren Person eine Einnahme von Blei von 1500 mg wöchentlich und 216 mg täglich tolerierbar. Demnach wäre eine Einnahme von 4,0 Milligramm pro Liter sehr relativ, auch in Anbetracht der Tatsache, dass eine Person einen ganzen Liter alleine trinken müsste. Die Studie besagt außerdem, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Menge des Bleianteils im Glas und der Löslichkeit des Bleis gäbe.

Erster Kontakt mit Bleikristallglas

Des Weiteren besagt diese Studie, dass der erste Kontakt mit einem Bleikristallglas mehr Blei löst als die folgenden Kontakte. Deswegen raten viele Hersteller ihren Kunden, die Gläser vor dem ersten Benutzen nach deren Angaben zu waschen. Diese einfache und gängige Art und Weise reduziert bereits das Abgeben von Blei beim ersten Trinken.

Fazit

Bleikristallgläser werden von einigen aus gesundheitlichen Gründen mit Skepsis betrachtet, andere lieben es wegen seiner Eigenschaften. Hersteller müssen gesetzliche Anforderungen erfüllen, um Bleikristallgläser anzubieten. Zuständige Behörden untersuchen regelmäßig Proben, wovon die meisten gesundheitlich unbedenklich seien. Es wird empfohlen, den Angaben der Hersteller vor der ersten Nutzung und der anschließenden Pflege zu folgen.

Dies ist eine Seite vom italienischen Manufakturenladen Botteghe Contemporanee.

Überblick über einige Formen von Bleikristallgläsern

Bleikristallgläser sind hochwertig und schaffen durch ihren funkelnden Glanz eine edle Atmosphäre.

Bleikristallgläser gibt es nicht nur in Form von Weinkelchen, sondern auch in vielen anderen Formen.

Eine Orientierungshilfe bietet ein Überblick über einige Formen von Bleikristallgläsern.

Bleikristallgläser als Trinkgefäße

Bleikristall wird wegen seiner besonderen Eigenschaften für hochwertige Gläser verschiedener Arten verwendet.

Das Weinglas

Universelle Weingläser für gute Rot- und Weißweine haben meist einen Kelch, der weder zu bauchig noch zu schlank ist. Weingläser für jüngere Weine haben manchmal eine schlanke Form, die zur Öffnung etwas enger wird, damit das Aroma nicht gleich verfliegt. Weingläser für reifere Weine sind manchmal etwas größer und bauchiger und sind etwas weiter geöffnet. So kann sich das Aroma gut entfalten.

Es gibt Weingläser mit und ohne Stiel. Bei guten Weinen, bei denen die Temperatur eine wichtige Rolle spielt, sollte man zu Gläsern mit Stiel greifen. Um die Temperatur des Weines nicht zu beeinträchtigen, sollte man das Glas nur am Stiel anfassen. Bei einfachen Tischweinen, bei denen die Temperatur keine Rolle spielt, kann man auch mal zu Bechergläsern ohne Stiel greifen.

Das Wasserglas

Wenn man am gedeckten Tisch mit zwei ähnlichen Gläsern sitzt, erkennt man das Wasserglas meist daran, dass es im Verhältnis zum Weinglas etwas größer ist. Wassergläser gibt es mit Stiel, aber auch als Becherglas.

Das Sektglas

Das Sektglas hat einen schlanken und hohen Kelch, damit die typische prickelnde Kohlensäure länger erhalten bleibt. Damit der Sekt möglichst lange kühl bleibt, sollte man das Glas nur am Stiel anfassen.

Das Champagnerglas

Das Champagnerglas kann manchmal eine Schale sein, die recht weit geöffnet ist. Oft wird gesagt, dass diese weite Öffnung dafür sorgt, dass die Kohlensäure schneller verfliegt und der Champagner dadurch seine Perlage verliert. Deswegen greift man gerne anstelle der Schale auch für Champagner zu einem Sektglas.

Das Whiskyglas

Das Whiskyglas ist typischerweise ein Becherglas, hat meist eine gerade kurze Form und ist etwas breiter, wodurch es manchmal massiv wirken kann. Es gibt auch gerade Formen, die etwas schlanker und höher sind.

Das Likörglas

Likörgläser gibt es ebenfalls als Becherglas oder mit Stiel. In jedem Fall sind sie kleiner als die anderen Glasformen. Es gibt bauchige Formen, in denen sich das Aroma ausbreitet und durch eine nach oben hin engere Öffnung gezielt der Nase zugeführt wird.

Das Martiniglas

Das Martiniglas hat typischerweise eine Y-Form. Der Kelch sitzt auf einem Stiel und sieht vom Durchschnitt her aus wie ein flaches Dreieck.

Das Cognacglas

Das Cognacglas ist oft sehr groß und bauchig. Es gibt aber auch kleinere Formen, die denen von Likörgläsern ähneln.

Fazit

Die Form von Trinkgefäßen aus Bleikristall richtet sich, wie bei anderen Glassorten auch, nach der Verwendung. Dabei gibt es Hersteller, die bei der Formgebung besonders auf die Eigenarten des jeweiligen Getränks eingehen.

Wie Bleikristallgläser hergestellt werden

Bei der Herstellung von Bleikristallgläsern gibt es sowohl automatisierte als auch manuelle Herstellungsverfahren. Hier gibt es Informationen darüber, wie Bleikristallgläser hergestellt werden.
Dabei wird einmal eine industrielle Fertigung und einmal eine handwerkliche Herstellung vorgestellt.

Industrielle Herstellung von Bleikristallgläsern

Mischung der Rohstoffe

Die Herstellung von Bleikristallgläsern durchläuft einen Prozess, bei dem am Anfang die verschiedenen Rohstoffe in Pulverform genau dosiert zusammengemischt werden. Die genaue Rezeptur hüten die Hersteller wie ein Chefkoch sein Geheimrezept.

Der Schmelzofen

Dieses Gemisch wird in einen Wagen gefüllt, der in einen Fahrstuhl eingehängt wird. Dieser transportiert den Wagen bis zum Schmelzofen und leert ihn automatisch aus.

Im circa 1500 Grad heißen Schmelzofen wird aus dem Pulvergemisch eine zähflüssige Masse, ähnlich wie Kaugummi. Diese heiße Glasmasse wird automatisch in eine Maschine geleitet, die diese im Sekundentakt in kleine Stücke schneidet.

Vorbereitung der Glasmasse

Aus jedem Stück entsteht später ein Glas. Diese Stücke fallen in eine Art Rutschbahn, die jedes Stück zu einer Presse führt, wo es zu einer Scheibe gepresst wird. Diese Scheiben fallen dann in eine große Karussell-ähnliche Maschine. Dieses Karussell hat einen sich im Kreis drehenden Ring, auf dem jede Scheibe ihre eigene Bearbeitungsfläche hat. Die Glasmasse ist hier noch um die 1000 Grad heiß.

Formgebung

Nun wird jeder Scheibe von oben Luft hinzugefügt, wodurch sie sich nach unten ausdehnt und eine Art kleinen Beutel formt. Dann wird dieser Beutel von der gewünschten teilbaren Gussform des Kelches in einem weiteren Karussell umschlossen. Diese Form wurde vorher am Computer entwickelt. In diese Gussform wird weiter Luft eingeblasen, die das Glas an die Wand der Gussform presst. In wenigen Sekunden ist die Form fertig geblasen.

Danach werden der Stiel und der Fuß nach ähnlichen Methoden am Kelch angebracht. Nach dem Öffnen der Gussform wird das noch heiße Glas entnommen, welches durch die Gussform noch unschöne Längsnähte hat. Diese Längsnähte werden durch eine automatische Feuerpolitur entfernt, damit das Glas so aussieht, als sei es handgemacht.

Die Öffnung des Glases

Nun wird die Öffnung des Glases bearbeitet. Produktionsbedingt hat ein Glas in dieser Phase noch ein Stück von der ursprünglichen Scheibe, an der es während der Produktion hing. Dieses Stück wird nun mit einer Maschine per Laser abgeschnitten. Diese Schnittkante wird automatisch geschliffen, damit sie beim Ansetzen des Glases an die Lippen nicht verletzt. Eine Qualitätskontrolle schließt die Herstellung ab.

Von den Stückzahlen her gibt es Industriebetriebe die angeblich 100.000 bis 200.000 Gläser pro Tag herstellen.

Handwerkliche Herstellung von Bleikristallgläsern

Je nachdem, wie sich ein Handwerksbetrieb organisiert, erledigt dieser mehr oder weniger viele Phasen manuell. Die manuelle Herstellung bei der Formgebung ist eine perfekt aufeinander abgestimmte Teamarbeit, wie ein Uhrwerk. Dabei muss jeder Handgriff sitzen, weil das Glas nur eine begrenzte Zeit formbar ist. Bereits minimalste Abweichungen von einem Teammitglied können das Endprodukt ruinieren.

Die Materialgewinnung für Bleikristallgläser ist aufwändiger, was sich in den Kosten widerspiegelt.

Vorbereitung der Glasmasse

Statt einer Maschine, die die Glasmasse in Stücke schneidet, ist es im Handwerk eine Person, die per Hand nur so viel Glasmasse auf einer Stange aus dem Ofen holt, wie für das Glas nötig ist. Der Glasbläsermeister nimmt diese Stange, die ständig von Hand gedreht werden muss, da sonst die glühende Glasmasse heruntertropft. Er gibt der Masse mithilfe eines leicht ausgehöhlten Werkzeugs aus Holz eine erste grobe Form.

Formgebung

Danach wird das Glas vom Glasbläser in eine vorher angefertigte Holzform gehalten, die die Form des gewünschten Kelches des fertigen Glases hat. Unter ständigem Drehen bläst der Meister nun Luft in die Glasmasse, damit das Glas an die Wand der Holzform presst wird.

Es gibt auch Fälle, bei denen die Holzform die gewünschte Form des fertigen Glases nicht enthält. In diesen Fällen bedarf es der langjährigen Erfahrung des Meisters, sozusagen freihändig die Form unter ständigem Drehen der Stange, wohl dosiertem Lufteinblasen und eventueller Erhitzung des Bunsenbrenners die gewünschte Kelchform perfekt herzustellen.

Anbringung des Stiels

Der so hergestellte Kelch befindet sich immer noch an der Stange und wird vom Kollegen unter ständigem Drehen übernommen, der den Kelch zum nächsten Kollegen zum Anbringen des Stiels bringt.

Der Stiel wird ebenfalls per Hand von einem Meister aus einem Stück Glasmasse hergestellt. Dieser bringt dann mit einer Zange den aus der Masse gezogenen Stiel an den Kelch an.

Anbringung des Fußes

Die Stange mit dem Kelch und dem Stiel wird nun von einem Kollegen zum Anbringen des Fußes gebracht. Der Fuß wird ebenso aus einem Stück Glasmasse von Hand hergestellt und von einem weiteren Meister an den Stiel angebracht. Dies ist ein besonders anspruchsvoller Moment in der Herstellung, da der Fuß je nach Design unterschiedlich sein kann, aber wenn er vom selben Design ist, immer gleichmäßig und eben sein muss, damit das Glas hinterher gut steht.

Bis hierhin hat ein Team von mehreren Personen circa 10 Minuten gearbeitet, um ein Glas herzustellen.

Nun ist das Glas komplett und wird zum nächsten Kollegen gebracht, der prüft, ob der Stiel gerade und der Fuß ebenmäßig ist. Dieser trennt das Glas von der Stange.

Ein anderer Kollege trägt das Glas zum erneuten Erhitzen und langsamen Abkühlen in eine Maschine. Diese Phase, die 24 Stunden dauern kann, wirkt sich auf die Resistenz und Reinheit des fertigen Produkts aus.

Die Öffnung des Glases

Nun fehlt noch die Bearbeitung der Öffnung des Glases. Wie bei der industriellen Herstellung hat ein Glas in dieser Phase produktionsbedingt noch ein Stück von der ursprünglichen Scheibe, an der es während der Produktion hing. Statt eines Schnitts mit dem Laser, wird hier die zu schneidende Linie in einem Apparat von einem Diamantstein markiert und dann von Hand mit einer Gasflamme geschnitten. Die Kante wird mit Schmirgelpapier und in einer Verschmelzmaschine geglättet. Eine Qualitätskontrolle schließt die Herstellung ab.

Diese handwerkliche Herstellung von Bleikristallgläsern ist wesentlich aufwändiger, weswegen solche Gläser teurer als industriell hergestellte sind.

Die manuelle Glasfertigung von mundgeblasenem Glas ist seit Dezember 2015 im Register des UNESCO-Weltkulturerbes in Deutschland eingetragen.

Fazit

In der industriellen Herstellung werden Arbeitsschritte maschinell ausgeführt, die bei der handwerklichen Herstellung eine Person tätigt. Dadurch fallen in der industriellen Produktion Personen weg, oder diese kümmern sich mehr um das Überwachen der Maschinen. In der handwerklichen Produktion hingegen geht es überwiegend um ein tägliches direktes Zusammenspiel eines Teams von Personen und die Erhaltung von manuellen Fähigkeiten. Diese manuellen Fähigkeiten und das Wissen darum gehören zum Weltkulturerbe.

Bleikristallgläser Herkunft

Glas mit Bleigehalt wurde bereits in der Antike gefunden, also lange bevor die industrielle Herstellung von Bleikristallgläsern im 17. Jahrhundert in mehreren Ländern begann.

Ein Überblick über die Herkunft von Bleikristallgläsern gibt eine Orientierungshilfe.

Bleikristallgläser in der Antike

Der angeblich erste Fund von bleihaltigem Glas wird auf 1400 v. Chr. datiert und stammt aus Nippur, einer ehemaligen Stadt im heutigen Irak. Andere Funde stammen aus dem 6. und 7. Jahrhundert v. Chr. Man geht allerdings davon aus, das Bleioxid in dieser Zeit nicht bewusst benutzt wurde, da dessen Anteile sehr gering waren. Bleikristall taucht ebenfalls in China zur Zeit der Han-Dynastie um 206 v. Chr. bis 220 n. Chr. auf.

Bleikristallgläser im Mittelalter

Bleihaltiges Glas taucht im Mittelalter sowohl in Glasmalereien auf, wie man sie von einigen Kirchenfenstern heute noch kennt, als auch in farbigem Glas ebenso wie in Mosaiksteinchen.

Bleikristallgläser im Barock

Im Buch „Glaskunst“, auf italienisch „L’Arte Vetraria“ aus dem Jahr 1612 vom italienischen Glasmacher Antonio Neri, aus der Toskana stammend, wird das Thema Glas scheinbar zum ersten Mal systematisch behandelt. In diesem Buch steht, dass Bleikristall für Emaille, Glaswaren ebenso wie als Edelsteinimitat für Schmuck benutzt wird. Dieses Buch wird 1662 von Christopher Merret ins Englische sowie 1679 von Johannes Kunkel ins Deutsche übersetzt und bearbeitet.

Diese Übersetzung öffnet den Weg zur industriellen Produktion von Bleikristall durch den Engländer George Ravenscroft. Dieser wollte, mit Hilfe von Glasmachern aus Venedig ebenso wie Glasverkäufern aus London, eine Alternative zum „cristallo“ aus Venedig entwickeln. Dies hat er mit dem Entwickeln von Flintglas geschafft und es 1673 patentieren lassen. Flintglas hat einen hohen Bleioxidgehalt von circa 30 %. Mit Ravenscrofts Tod lief das Patent ab und Flintglas breitete sich schnell aus. 1696 arbeiteten in England 27 Glashersteller mit Flintglas.

Bleikristallgläser im 18. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert wird Bleikristall in Frankreich, Ungarn, Deutschland und ebenfalls in Norwegen industriell hergestellt. Einige industrielle Hersteller aus dieser Zeit wie Baccarat und Saint-Louis (gehört zu Hermès) in Frankreich, ebenso wie Royal Brierley in England, Waterford Crystal in Irland und entsprechend Riedel aus Österreich sind heute noch bekannt und stellen noch Bleikristall her.

Bleikristallgläser im 19. und 20. Jahrhundert

Im 19. und 20. Jahrhundert kommen unter anderem in Deutschland Industriebetriebe wie Nachtmann und Zwiesel Kristallglas sowie Holmegaard in Dänemark und einige Betriebe in anderen Ländern dazu.

Fazit

Bleikristallgläser werden seit über 300 Jahren hergestellt und werden heute noch von Firmen im hohen und Luxus-Genre angeboten.